Tödlicher Anschlag auf Amina Okuyeva

Wie ukrainische Medien unter Berufung auf zwei Berater des Innenministers berichten, ist Amina Okuyeva heute Abend ihren Verletzungen nach einem Anschlag erlegen. Sie war mit ihrem Mann, Adam Osmayev, bei Kyiv unterwegs, als ein bisher Unbekannter mehrere Schüsse auf den fahrenden PKW abgegeben hatte.

Amina Okuyeva war am 5. Juni 1983 in Odessa geboren worden, hatte in Moskau und Grozny, der Heimat ihrer Eltern, gelebt und war 2003 wegen des Krieges in Tschetschenien in ihre Geburtsstadt zurückgekehrt. Dort studierte sie Medizin und arbeitete danach als angehende Ärztin in der Chirurgie eines Odessaer Krankenhauses. 2013 schloss sie sich den zunächst friedlichen Protesten in Kyiv an und arbeitete nach der Eskalation als Ärztin auf dem Maidan. Nach der Annexion der Krim und der russischen Besatzung des östlichen Donbas schloss sie sich dem Freiwilligenverband Kyiv-2 an. Offiziell wurde sie dort als Sanitäterin gelistet, doch Okuyeva nahm aktiv an zahlreichen Gefechten in Debaltseve und Tchornukhivo teil. Im Zuge der Legalisierung der Freiwilligenbataillone durch Eingliederung in Armee und Polizei wurde Okuyeva Mitglied der 3. Kompanie des Polizeisonderregiments „Kyiv“ und somit Leutnant der Polizei.

Okuyeva als Mitglied eines Aufklärungstrupps im Feld.

Später arbeitete sie als Pressesprecherin des auf ukrainischer Seite kämpfenden tschetschenischen Bataillon Dschochar Dudajew, dessen Leitung ihr Ehemann nach dem Tod von General Isa Munayev übernommen hatte. Okuyeva plante ihre Erfahrungen im Kampf und ihre medizinische Ausbildung in der Armee zu verknüpfen und in Zukunft an internationalen Friedensmissionen teilzunehmen. Sie galt wegen ihrer Kampfeinsätze als Galionsfigur der angestrebten Gleichstellung von Mann und Frau in der Armee und setzte sich immer wieder für die Abschaffung diverser Verbote für Frauen in Uniform ein. Auch war sie als bekennende Muslima die selbst im Gefecht nicht auf ihren Hijab verzichtete, ein krasser Gegensatz zu weit verbreiteten Stereotypen und Vorurteilen. Als Mitglied der muslimischen Gemeinde der Ukraine sah sie es als ihre Pflicht an, ihrem Heimatland zu dienen und trat gemeinsam mit muslimischen und jüdischen Kameraden gegen die russische Propaganda einer faschistischen Ukraine an.

Okuyeva und ihr Mann waren bereits am 1. Juni diesen Jahres knapp einem Anschlag entgangen. Ein Auftragsmörder hatte das Ehepaar als ausländischer Journalist getarnt kontaktiert und um ein Interview gebeten. Beim treffen zückte dieser dann eine Waffe und schoss Osmayev in die Brust, ehe Okuyeva ihrerseits den Angreifer mit vier Schüssen niederstreckte. Beide Männer kamen damals schwer verletzt mit dem Leben davon. Bei den späteren Ermittlungen stellte sich heraus, dass der Auftragsmörder der Tschetschene Artur Denisultanov-Kurmakayev war, der im Verdacht steht 2009 einen geflüchteten Bodyguard des tschetschenischen Diktators Ramzan Kadyrov in Wien getötet zu haben. Es ist daher davon auszugehen, dass Okuyeva Opfer eines Handlangers Kadyrovs wurde, dessen Schergen auf russischer Seite im Donbas kämpfen.

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