Savchenko, die Zweite

Was tut die Justiz eines Landes, die erst vor wenigen Wochen in einem politisch motivierten Schauprozess eine Frau wegen zweifachen Mordes zu 22 Jahren Haft verurteilt hat? Und das, obwohl es keine Beweise gegen die Frau gab und sie auch noch vom Staatsgebiet ihres eigenen Landes entführt und in das Land des Prozesses verschleppt wurde? Richtig, sie verhaftet die Schwester der Verurteilten und eröffnet den nächsten Prozess. Klingt verrückt? Nur durch ein diplomatisches Katz und Maus Spiel ist es gelungen, Vira Savchenko vor dem Zugriff der russischen Sicherheitsbehörden zu bewahren.

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Vira Savchenko beim Prozess gegen ihre Schwester

Vira Savchenko, die Schwester der entführten und verurteilten ukrainischen Soldatin Nadiya Savchenko, war gerade auf dem Rückweg von einem Besuch bei ihrer Schwester im Gefängnis von Novocherkassk, als russische Grenzer am Übergang Tchertkovo-Milove ihr die Ausreise verweigerten und ihren Pass einzogen. Begründet wurde dies mit einem föderativen Haftbefehl und einer Landesweiten Fahndung, denen eine Anzeige wegen Beleidigung aus Tschetschenien zu Grunde liegt. Bei ihrer Einreise am Morgen des selben Tages schienen diese Umstände jedoch kein Problem darzustellen. Savchenko soll einen tschetschenischen Richter beleidigt haben, der dem Prozess gegen die beiden Ukrainer Stanislav Klykh und Nikolai Karpyuk in Grozny vorsitzt. In Russland wird zur Zeit über 25 Staatsbürgern der Ukraine aus fadenscheinigen Gründen der Prozess gemacht, oder sie wurden, wie Nadiya Savchenko, aber auch Oleh Sentsov und Oleksandr Kolchenko, bereits zu absurd hohen Haftstrafen verurteilt.

Der Verhaftung entging Vira Savchenko dank den Umstand, dass der ukrainische Konsul aus Rostov am Don, Vitaliy Moskalenko, sie mit seinem Diplomatenfahrzeug gefahren hat. Er sperrte die Frau in seinem Fahrzeug ein und entzog sie so dem Zugriff durch die russischen Sicherheitsbehörden. Nach längeren Verhandlungen hatte er auch den Pass zurück erhalten und fuhr Savchenko zurück zum ukrainischen Konsulat in Rostov am Don, wo sie derzeit in Sicherheit ist. In Sicherheit, aber auch gestrandet, da die Fahndung und der Haftbefehl immer noch bestehen. Das diplomatische Corps der Ukraine aber auch Präsident Poroshenko arbeiten derzeit an einer Lösung der Situation, die einen tiefen Schatten auf die Gerüchte um eine Auslieferung von Nadiya Savchenko in die Ukraine wirft.

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