Gedenktag für die Opfer politischer Repressionen

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Eine Frau besucht die letzte Ruhestätte ihrer vom NKWD ermordeten Angehörigen

In der Ukraine wurde heute den Opfern politischer Repressionen gedacht. Der Gedenktag, der immer am dritten Sonntag im Mai stattfindet, wird von offiziellen Stellen alljährlich in der Gedenkstätte Bykivnya bei Kyiv begangen. Bisher wurden dort die sterblichen Überreste von fast 26.000
Opfern des stalinistischen Terrors entdeckt, bis zu 220.000 Menschen sollen allein an dieser Stelle ihr Leben gelassen haben. Erst nach der Unabhängigkeit der Ukraine war es möglich, nach den Toten zu graben. Das Massengrab ist eng mit dem Massaker von Katyn verbunden, da in Bykivnya auch über 5000 polnische Soldaten und Offiziere begraben liegen. Bis heute gelang es, lediglich fünf dieser Männer zu identifizieren. Präsident Poroshenko erinnerte in seiner Ansprache an das Schicksal der polnischen Armeeangehörigen und betonte die Wichtigkeit der polnisch-ukrainischen Beziehungen.

In Bykivnya erschossen Einheiten des NKWD 1940 tausende
polnische Offiziere, was eine direkte Folge des Bündnisses zwischen Hitler und Stalin zu Anfang des Zweiten Weltkrieges war. Bykivnya ist zur gemeinsamen Nekropole für Ukrainer und Polen, zu einem wichtigen Element des gemeinsamen Kampfes gegen den sowjetischen Totalitarismus und Imperialismus und für „eure wie auch unsere Freiheit“ geworden.

Trotz der Stilllegung des Vernichtungslagers des NKWD Ende der 40er Jahre, forderte es auch später noch weitere Menschenleben. 1962 hatte der ukrainische Journalist und Poet Vasyl Symonenko mit Les Tanyuk die Gräber von NKWD-Opfern in Bykivnya, sowie auf den Friedhöfen Lukyanivskyi und Vasylkivskyi, gefunden und eine Beschwerde an das Stadtgericht in Kyiv gerichtet. 1963 wurde er auf dem Bahnhof in Smila von Mitgliedern des NKWD so schwer misshandelt, dass seine Nieren versagten. Symonenko starb am 13. Dezember 1963. Erst mit der Unabhängigkeit der Ukraine wurden Ausgrabungen gestattet, die bis heute, unter der Aufsicht des ukrainischen Geheimdienstes, andauern.

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Ein Ausgrabungsteilnehmer säubert menschliche Überreste

In der ganzen Ukraine, aber auch in Weißrussland und Russland sind bis heute unzählige Massengräber von Opfern des NKWD zu finden. In der Ukraine soll der rote Terror über 10 Millionen Todesopfer gefordert haben, zu denen vor allem die politischen, geistigen, geistlichen und kulturellen Eliten gehörten. In der Zeit der stalinistischen Säuberungen konnte man bereits für geringste Vergehen zum Tode verurteilt werden. So konnte zum Beispiel schon das Sprechen der ukrainischen, statt der russischen Sprache, als konterrevolutionär und staatsgefährdend gewertet und mit dem Tode bestraft werden.

In Russland, aber auch in den russisch geprägten Gebieten der Ukraine ist das Thema um die Opfer des kommunistischen Terrors verpönt und führt häufig zu hitzigen Auseinandersetzungen, da man im so genannten russkij mir die unliebsame Geschichte verklärt. Das erklärt, warum Stalin heutzutage wieder populär wird und warum der Nationalbolschewismus sowohl in Russland, als auch in der Ukraine und dort vor allem in den so genannten Volksrepubliken auf dem Vormarsch ist.

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